Stellungnahme des Rates der Religionen

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18. Oktober 2017

Glückwünsche des Bundespräsidenten zum 200. Geburtstag Bahá'u'lláhs

Mit großer Freude hat der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland die Glückwünsche von Bund...

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16. September 2017

Stellungnahme des Rates der Religionen

Religionsgemeinschaften in Nürnberg - Gemeinsam gegen die Angst

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Stellungnahme des Rates der Religionen

Samstag, 16.09.2017

Ängste bestimmen unsere Gegenwart 

Als Rat der Religionen in Nürnberg nehmen wir wahr, wie sehr Ängste unsere Gegenwart bestimmen: Angst vor „Islamisierung“, vor der „Flüchtlingskrise“, vor dem Terrorismus im Nahen Osten und in Europa... Angst ist ein zutiefst menschliches Gefühl, angesichts politischer und menschlicher Verunsicherung. Als gemeinsame Vertretung der verschiedenen Religionsgemeinschaften in Nürnberg warnen wir jedoch davor, mit Ängsten Stimmung zu machen und dabei Vorurteile und Hass zu fördern. 

Ängste differenziert benennen

Die aktuelle Suche nach Hilfsmöglichkeiten für Asylsuchende und Zuwanderer etwa wird häufig von Ängsten um „Islamisierung“ überlagert. Oft gerät dabei das persönliche Schicksal hilfesuchender Menschen aus dem Blick. Muslimische Mitbürger, die teils seit Generationen in unserer Gesellschaft leben und sie mitgestaltet haben, fühlen sich in die Ecke gedrängt und ausgegrenzt.

Religion kann missbraucht werden

Als Rat der Religionen benennen wir selbstkritisch: Religion kann sehr wohl missbraucht werden. Sie kann zu Radikalisierung und Gewalt führen. Weder ignorieren noch verharmlosen wir diese Gefahr. Gerade weil Religionen in unserer Zeit missbraucht werden, sehen wir es als unsere Aufgabe an, Ängste ernst zu nehmen, bedenkliche Formen von Religion offen zu benennen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und ihnen innerhalb unserer je eigenen Religionsgemeinschaft entschlossen entgegen zu treten.

Offener und selbstkritischer Blick

Als Religionsgemeinschaften in Nürnberg wollen wir sachlich und differenziert ansprechen, was unseren Mitgliedern Angst macht. Gleichzeitig aber muss es unsere Aufgabe sein, offen und selbstkritisch in den Blick zu nehmen, was anderen Menschen an unseren eigenen Religionsgemeinschaften Angst bereitet. Nur so lässt sich ein konstruktiver Umgang mit diesen Ängsten in unserer Gesellschaft finden.

„Alles, was ihr wollt,...

...dass euch die Menschen tun, das tut ihnen ebenso.“ Dieser Kerngedanke ist in abgewandelter Formulierung in allen großen Weltreligionen zu finden. Für uns ist er ein Leitsatz zur Gestaltung unseres Zusammenlebens in Nürnberg. Als Menschen unterschiedlicher Religionen sind wir überzeugt, dass angemessen verstandener Religion eine friedensstiftende und integrative Kraft innewohnt. In einer Gesellschaft, in der so vieles in Bewegung geraten ist und Ab- wie Ausgrenzung von Menschen immer häufiger der Fall sind, ist es umso wichtiger, diese friedensstiftende Kraft zu stärken.

Gemeinsame Werte als Dialog-Basis

Wir nehmen wahr: Ein Klima der Angst gefährdet die zentralen Werte unserer Gesellschaft und unseres friedlichen Zusammenlebens. Als Rat der Religionen heben wir daher ausdrücklich die in unserem Grundgesetz verankerten Werte hervor: Meinungs- und Religionsfreiheit, Menschenwürde und Demokratie sind Basis für jeden Dialog, der wiederum nötig ist, um diese Werte weiterzuverbreiten.

Der Angst den Raum nehmen

Heutzutage scheinen diese Werte keine Selbstverständlichkeit mehr zu sein. Daher sehen wir es als unsere Pflicht, auf jeder Ebene das uns Mögliche zu tun, um der Angst den Raum zu nehmen und jenen Kräften entgegen zu treten, die diese Angst indirekt oder offen verbreiten mit dem Ziel, unsere freie Gesellschaft zu zerstören. Unsere Gesellschaft braucht keine Angstmache, sondern Ideen für ein konstruktives und zukunftsweisendes Zusammenleben aller Religionen, Weltanschauungen und Lebensstile.

Nürnberg, 14. September 2017

 

 

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