Religionen für Vielfalt - Interreligiöse Impulse für ein gesellschaftliches Miteinander

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18. Oktober 2017

Glückwünsche des Bundespräsidenten zum 200. Geburtstag Bahá'u'lláhs

Mit großer Freude hat der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland die Glückwünsche von Bund...

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16. September 2017

Stellungnahme des Rates der Religionen

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Religionen für Vielfalt - Interreligiöse Impulse für ein gesellschaftliches Miteinander

Sonntag, 10.04.2016

 

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus sprechen sich Religionsgemeinschaften, Politik, People´s Theater und zahlreiche Bürger für eine „starke Bewegung gegen Rassismus“ aus.

Die unter dem Motto "100% Menschenwürde - gemeinsam gegen Rassismus" im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus stehenden Aktionswochen nahm die Baha’i-Gemeinde in Deutschland zum Anlass, um ein hoffnungsvolles Zeichen für die interreligiöse Verständigung zu setzen. Aktiv daran mitzuwirken, Vorurteile jeglicher Art abzubauen und ein gesellschaftliches Miteinander in Vielfalt in den Mittelpunkt zu stellen ist den Baha’i  ein wichtiges Anliegen. Anlässlich ihres Neujahrsfestes, Naw-Rúz, luden sie am 20. März 2016 nach Hofheim-Langenhain ein und waren besonders erfreut über die Unterstützung durch die Hessische Landesregierung, Herrn Staatssekretär Jo Dreiseitel, durch die Alevitische Gemeinde Deutschland vertreten durch Frau Melek Yildiz vom Bundesvorstand und den Frankfurter Rat der Religionen vertreten durch seinen Vorsitzenden Herrn Khushwant Singh. Das preisgekrönte People´s Theater aus Offenbach begeisterte das Publikum mit seinem interaktiven Theaterelement, in dem es durch gespielte Alltagsszenen dem Publikum das Thema Rassismus sehr nahe brachte und noch lange danach zum Nachdenken und Diskutieren anregte.   

Im Europäischen Baha'i-Haus der Andacht erlebten die über 300 Gäste eine interreligiöse Andacht, die von Menschen unterschiedlichen Glaubens und Herkunft aktiv mitgestaltet wurde. Es wurden aus den Heiligen Texten der Bhagavad Gita, der Sikh-Religion, des Alten und Neuen Testamentes, des Korans und der Baha´i Schriften gelesen. „Es war heilend, “ „ich war zu Tränen gerührt“ und „es war eine ganz besondere, friedliche Stimmung, obwohl so viele Leute da waren, war es ganz still“, hörte man später die Gäste sagen.

In seiner anschließenden Begrüßung betonte der Vorsitzende des Nationalen Geistigen Rates der Baha'i in Deutschland, Stefan Hilger, dass die Baha'i im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus nach Langenhain eingeladen hatten, in der Hoffnung, dass das Europäisches Haus der Andacht in dieser kritischen Zeit eine besondere Ausstrahlung und Symbolkraft für viele Menschen haben kann und hob das Haus der Andacht als "Symbol für Einheit und Integration" hervor.

"Der runde Sakralbau symbolisiert die "Einheit der Menschheit" als Vision und Entwicklungsziel einer zukünftigen Menschheit, eine Einheit, die in ihrer Vielfalt begründet ist. Diese kann ohne die Achtung vor allen anderen Religionen nicht bestehen. "Achtung" ist weit mehr als Dulden und Toleranz, deren Fragilität gerade die aktuellen Übergriffe in vielen Teilen unserer Republik zeigen. Achtung ist gegenseitig und meint gemeinsames Streben und Handeln, um das gesellschaftliche Miteinander zu gestalten und zu leben“, so Hilger. 

Über 1000 Veranstaltungen seien der Stiftung für die Internationalen Wochen gegen Rassismus für den Veranstaltungskalender gemeldet worden. "Das ist ein starkes Zeichen gegen Rassismus und für Integration", so Hilger.

"Ausgrenzung und Rassismus dürfen  in unserer Gesellschaft keinen Platz haben", sagte der Bevollmächtigte der hessischen Landesregierung für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Jo Dreiseitel, vor den Gästen, unter denen zahlreiche Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund saßen. Der Staatssekretär beschrieb in seiner Rede Ziele und Wege der Hessischen Landesregierung im Rahmen der Rassismusbekämpfung.

"Der Landesregierung und den sie tragenden Parteien ist es ein Anliegen, Rassimus und Diskriminierung jeglicher Art entschieden entgegen zu treten", so Dreiseitel. Hessen sei bereits im März 2014 der Koalition gegen Diskriminierung beigetreten, seit 2011 ist es Mitglied der Charta der Vielfalt. Und zu Beginn des Jahres 2015 hat das Land eine Antidiskriminierungsstelle im Hessischen Sozial- und Integrationsministerium als Stabsstelle eingerichtet, bekräftigte Dreiseitel.

Rund 27% aller Hessen haben Migrationshintergrund. "Vielfalt fordert unsere Gesellschaft aber auch dazu heraus, sich auf andere Menschen einzulassen, auf Vorstellungen und Verhaltensweisen, die ungewohnt sein können und deren Beweggründe sich erst auf den zweiten Blick erschließen mögen. Das sind vielschichtige und anspruchsvolle Ausgangsbedingungen. Aus diesem Grund ist eine offene Grundhaltung gegenüber anderen Menschen unabdingbar für die Wertschätzung und Akzeptanz, die wir anderen entgegenbringen und genauso für uns selbst einfordern", forderte der Staatssekretär und begrüßte es sehr, dass die Mitglieder der Baha'i-Religion "ganz bewusst ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Rassismus durch ihr Engagement als eine der Gründungsstifter der Stiftung "Internationale Wochen gegen Rasssimus" im Jahre 2014 in Hessen gesetzt haben".

Die Beiträge von Bundes-und Kommunalvertretern der Aleviten und des Vorsitzenden des Rats der Religionen in Frankfurt betonen ihr gemeinsames Ziel, sich gegen Rassismus zu engagieren.

Frau Melek Yildiz von der Alelvitischen Gemeinde brachte ihre Freude zum Ausdruck, dass eine Veranstaltung wie diese zur Verständigung beiträgt und der interreligiöse Dialog nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt. Die Alevitische Gemeinde trug zudem aktiv durch ihren musikalischen Beitrag dazu bei, den "Reichtum der kulturellen Vielfalt zu wahren, denn Musik ist allen Menschen gemeinsam", so Yildiz.

Der Vorsitzende des Rats der Religionen in Frankfurt, Herr Khushwant Singh, bezog sich auf eigene Diskriminierungserfahrungen. Er erlebe aufgrund seines Sikh-Turbans täglich Rassismus, nicht nur in seiner Heimatstadt Frankfurt, sondern auch in anderen deutschen Städten. Das könne man nicht ändern, damit muss man leben, aber seine eigene Haltung könne man ändern, so Singh. Ein wesentlicher Schritt müsse dabei sein, in einen Dialog zu treten, und nicht über andere zu sprechen, sondern sich vielmehr kennenzulernen, so wie zum Beispiel es der Rat der Religionen in Frankfurt versucht. Zivilgesellschaft und Politik müssen zusammenarbeiten und Hand in Hand gehen. Es bedarf hierbei nicht nur der Worte, sondern auch der Tat. Denn nur die Tat kann Wandel hervorbringen. "Es ist die Spiritualität, die uns im Kern zusammenhält. Wir sollten dafür kämpfen, dieses Fundament gemeinsam aufrechtzuerhalten", betonte Singh.

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