Die Bahá'í-Gemeinde

Ein historischer Überblick

News

14. Mai 2017

Menschenrechtsbeauftragte zur Inhaftierung von Bahá’i in Iran

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Bärbel Kofler, fordert "die iranische Justiz ...

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29. Oktober 2016

Rat der Religion in Nürnberg gegründet

Einsatz für Toleranz und Völkerverständigung

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Geschichte der Baha'i-Gemeinde Nürnberg

Das Entstehen der ersten Bahá’í-Gemeinde in Nürnberg lässt sich auf das Jahr 1956 datieren. In diesem Jahr konnte nach dem Zuzug einiger iranischer Familien der erste Örtliche Geistige Rat der Bahá’í gewählt werden. Seitdem ist der Geistige Rat der Bahá'í von Nürnberg e.V. im Vereinsregister eingetragen und wird alljährlich demokratisch in geheimer Wahl zu Ridván gewählt.

Die Mitglieder der Bahá'í-Gemeinde Nürnberg spiegeln die Globalität der weltweiten Bahá'í-Gemeinde wider. Wir haben verschiedene kulturelle Wurzeln, z. B. aus Deutschland, Iran, Türkei, Russland und Afrika.

Kooperationen

Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland arbeitet mit dem Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg im Rahmen des Deutschen Menschenrechts-Filmpreises zusammen, der alle zwei Jahre in Nürnberg verliehen wird.

Auch kooperiert die Bahá’í-Gemeinde mit dem Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg innerhalb des Forum Menschenrechte, einem Zusammenschluss von über 40 nicht-staatlichen Organisationen, die sich für die Menschenrechte engagieren.

Delegierte auf der Nationaltagung in Hofheim, während der alljährlich die Mitglieder des Nationalen Geistigen Rates der Bahá'í in Deutschland gewählt werden.

Über 100 Jahre Bahá’í-Gemeinde in Deutschland

Der erste Bahá’í, der sich in Deutschland niederließ, war der Zahnarzt Dr. Edwin Fischer, ein Schwabe aus Ludwigsburg. Er hatte sich in den Vereinigten Staaten dem Bahá’í-Glauben angeschlossen. Sein Aufenthalt ist für 1905 erstmals amtlich nachweisbar, und in den acht Jahren, die er in Deutschland blieb, entstanden in Stuttgart und Umgebung kleine aktive Bahá’í-Gruppen, die Vortragsver-anstaltungen und Studienkreise anboten.

Das bedeutendste Ereignis ihrer Frühgeschichte war für die deutschen Bahá’í der Besuch 'Abdu’l-Bahás, des Sohnes des Stifters der Bahá'í-Religion Bahá’u’lláh,  im April 1913. Sein Aufenthalt fand in der Presse ein erstaunliches Echo. Seine öffentlichen Ansprachen waren Aufrufe zu religiöser Verständigung, zum Ablegen von Vorurteilen, zur Zusammenarbeit von Wissenschaft und Religion und zum friedlichen Miteinander der Völker.

Bereits 1923 wurde ein „Geistiger Nationalrat für Deutschland“ gebildet. 1934 wurde der Titel des „Nationalrates“ geändert in „Der Nationale Geistige Rat der Bahá’í in Deutschland und Österreich.“

1937 wurden mit einem Sonderbefehl des Reichsführers der SS und Chefs der Gestapo, Heinrich Himmler, die Bahá’í-Religion und ihre administrativen Einrichtungen verboten. Hausdurchsuchungen begannen. Bahá’í-Literatur wurde beschlagnahmt und einzelne Bahá’í erheblich unter Druck gesetzt.

Das Kriegsende 1945 brachte ein Aufatmen. Mit den amerikanischen Truppen waren einige junge Bahá’í nach Deutschland gekommen, die sogleich nach ihren verbliebenen deutschen Mitgläubigen suchten und beim Neuanfang kräftig mithalfen. Im Mai 1945 erteilte die Militärregierung die Erlaubnis zur Reorganisation der Bahá'í-Gruppen im Raum Stuttgart und bereits im Mai 1946 konnte wieder ein „Nationaler Geistiger Ratgebildet werden.

Die Internationale Bahá'í-Gemeinde

Der administrative und spirituelle Mittelpunkt der Bahá’í-Weltgemeinde liegt in den israelischen Städten Haifa und Akká (Akko). Die wichtigsten internationalen Bahá’í-Verwaltungsgebäude stehen am Berg Karmel in Haifa, eingebettet in ausgedehnte Gärten. Sie gruppieren sich um den Sitz des Universalen Hauses der Gerechtigkeit.

Das Universale Haus der Gerechtigkeit ist ein aus neun Mitgliedern bestehendes Gremium, das erstmals 1963 und seitdem alle fünf Jahre von den Mitgliedern aller Nationaler Geistiger Räte gewählt wird. Als oberste Institution leitet es die Angelegenheiten der Bahá’í-Weltgemeinde, bringt die Bahá’í-Gesetze zur Anwendung und wirkt gesetzgebend für Angelegenheiten, die nicht ausdrücklich in den Heiligen Schriften behandelt werden. Außerdem ist es zuständig für die Regelung unklarer Angelegenheiten und für Konfliktlösung. Zur verbindlichen Auslegung der Bahá’í-Schriften ist es nicht autorisiert, da dies das ausschließliche Vorrecht des Hüters war.

Die Bahá’í-Weltgemeinde ist seit 1948 als Nicht-Regierungsorgani-sation (Bahá’í International Community) bei den Vereinten Nationen akkreditiert. Sie hat beratenden Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der UN (ECOSOC) und beim Weltkinderhilfswerk (UNICEF). Sie arbeitet eng mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem UN-Umweltprogramm (UNEP) und dem UN-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM) zusammen. Zu ihren Aufgaben gehören die Unterstützung von UN-Programmen, die Beteiligung an bedeutenden internationalen Konferenzen und die Mitarbeit in ständigen Gremien, z.B. der Menschenrechtskommission. Die Bahá'í setzen sich weltweit für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Menschheit ein. Das Ziel ist der Aufbau einer friedlichen Weltgemeinde, die in ihrem grundlegenden Handeln und Denken global vereint ist, gleichzeitig aber auch ihre kulturelle Vielfalt weiterpflegt.

 

Der Bahá’í-Kalender

Wie in anderen Weltreligionen gibt es auch in der Bahá’í-Religion einen eigenen Kalender. Die Bahá’í-Zeitrechnung beginnt 1844, als der Báb, der Vorläufer Bahá’u’lláhs, erstmals seine Botschaft verkündete. Der Bahá’í-Kalender basiert auf dem Sonnenjahr mit 365 Tagen und ist in 19 Monate zu je 19 Tagen (=361 Tage) aufgeteilt; alle Monate sind somit gleich lang. Um das Jahr auf 365 Tage zu vervollständigen, werden zwischen dem 18. und 19. Monat vier (im Schaltjahr fünf) Tage eingeschoben, „Ayyám-i-Há“ genannt. Die Tag- und Nachtgleiche um den 21. März markiert den Jahresanfang und wird mit einem großen Neujahrsfest (Naw-Rúz) gefeiert. Die Woche besteht aus sieben Tagen. Ein Tag beginnt bei Sonnenuntergang und endet mit dem des folgenden Tages.

Bahá’í-Feiertage

Im Bahá’í-Jahreslauf gibt es neun Heilige Tage. An diesen Tagen gilt allgemeine Arbeitsruhe. Alle sollen sich „miteinander freuen, allgemeine Versammlungen abhalten, wie eine Gemeinde werden“ und sich der Wohltätigkeit widmen.

Zu diesen Feiertagen laden die Bahá'í oft ihre Freunde und Bekannten ein. Das Neujahrsfest wird meistens in einem öffentlichen Saal gefeiert und von zahlreichen Gästen jeden Glaubens besucht. Ort und Zeitpunkt entnehmen Sie bitte jeweils unserem Veranstaltungskalender:

  • Naw-Rúz (Neujahr), 21. März
  • Ridván-Fest (Erklärung Bahá'u'lláhs), 21. April bis 2. Mai
  • Erklärung des Báb, 23. Mai
  • Hinscheiden Bahá'u'lláhs, 29. Mai
  • Märtyrertod des Báb, 9. Juli
  • Geburt des Báb, 20. Oktober
  • Geburt Bahá'u'lláhs, 12. November
  • Tag des Bündnisses, 26. November
  • Hinscheiden 'Abdu'l-Bahás, 28. November

Die Monate im Bahá'í-Kalender werden nach den Eigenschaften Gottes benannt, wie z.B. Glanz, Herrlichkeit, Licht, Herrschaft. Der neunzehnte Monat, der unmittelbar auf die Gastlichkeit der eingeschobenen Tage folgt, ist der Monat des Fastens. Neunzehn Tage lang enthalten sich die Bahá'í von Speise und Trank zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Das Neunzehntagefest

Zu Beginn eines jeden Bahá'í-Monats halten die Bahá'í das Neunzehntagefest ab.  Es ist eine nicht öffentliche Veranstaltung und bildet den Mittelpunkt des Gemeindelebens.

Es besteht aus drei Teilen: Der erste Teil ist ein geistiger Teil. In einer gemeinsamen Andacht wird gebetet und aus den heiligen Schriften des Glaubens gelesen.

Im zweiten Teil, dem Beratungsteil, berichtet zunächst der Geistige Rat über aktuelle Entwicklungen, Aktivitäten und Pläne und gibt dann Gelegenheit zu einer freien Aussprache. Die Gemeindemitglieder beraten miteinander und es können Vorschläge und Empfehlungen an den Geistigen Rat gegeben werden.

Der dritte Teil dient der Geselligkeit: Es wird ein lockerer Austausch gepflegt und – je nach Mentalität - zuweilen auch gesungen oder getanzt. Dieser Teil gibt den Gemeindemitgliedern Gelegenheit, sich besser kennen zu lernen und Freundschaften zu vertiefen.

"Kurz gesagt, meine Hoffnung ist, dass das Neunzehntagefest ein starkes Zusammen-gehörigkeitsgefühl unter den Freunden bewirkt und dass es die Gläubigen in das Bündnis der Einheit führt. Wir werden dann so vereinigt sein, dass Liebe und Weisheit sich von diesem Mittelpunkt aus zu allen Gliedern hin verbreiten. Dieses Fest ist ein göttliches Fest. Es ist ein Abendmahl des Herrn. Es zieht die Bestätigung Gottes wie ein Magnet an. Es ist Ursache für die Erleuchtung der Herzen." ('Abdu'l-Bahá)